Johann Sebastian Bach, Concerto

nach italienischem Gusto (2009)

 

  • (Italienisches Konzert, BWV 971)
    Instrumentation für Ensemble

    Flöte
    Oboe
    Klarinette (B)
    Fagott
    2 Hörner
    Pauken
    2 Violinen
    Viola
    Violoncello
    Kontrabass
  • Dauer ca. 15 Minuten
  • Uraufführung am 31. Mai 2009 in Berkeley (Kalifornien) durch Musiker des Berkeley Symphony Orchestra, Dirigent: Kent Nagano
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    Berkeley Akademie Ensemble, Kent Nagano
    I. mp3
    II. mp3
    III. mp3
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Die Verzierung als Ort der Freiheit

Johann Sebastian Bach hatte sich schon in seiner Weimarer Zeit intensiv mit der Form des "Concerto" auseinandergesetzt und immerhin sechs von Antonio Vivaldis Violinkonzerten für Cembalo transkribiert. 1735, also zwei Jahrzehnte später, schuf er mit seinem "Italienischen Konzert" eine Synthese aus den musikantischen Spielfiguren der übernommenen Kunstform und seiner eigenen kontrapunktischen Setzweise. Bach schreibt ein Cembalo mit zwei Manualen vor und macht deren Verwendung durch die Zusätze forte und piano kenntlich. Außerdem zeigt die Satzstruktur mit Ausnahme des zweiten Satzes eine deutliche Unterscheidung zwischen vollgriffigen "Tutti"-Passagen und dünner gesetzten "Solo"-Abschnitten.

Bei der Bearbeitung für Kammerorchester wollte ich keine historisch orientierte Übertragung anfertigen, sondern eine Art Übersetzung des altehrwürdigen Textes mit dem zur Verfügung stehenden "Vokabular" unseres Jahrhunderts, ohne dabei den Inhalt und die Aussagen des Textes, also die Idee hinter der Musik, zu verändern. Letztendlich schafft man damit aber auch in gewisser Weise eine Interpretation des Werkes, und insofern gibt es in der Herangehensweise sicherlich Parallelen zur berühmten Instrumentation des Bach'schen "Ricercar" von Anton Webern.

Ein grundlegendes Prinzip der gesamten Bearbeitung ist, dass sich bei der Darstellung der meist mehrtaktigen Phrasen immer mehrere Instrumente abwechseln. Dies gilt sowohl für die jeweils führende Stimme als auch für die Begleitstimmen. Auf diese Weise wird die Satzstruktur durch die Instrumentation in kleine und kleinste Motive gegliedert und somit äußerst farbig und plastisch. Auch wenn an der einzelnen Stimme des Bach'schen Originals also immer mehrere Instrumente beteiligt sind, so gibt es kaum Mischungen aus deren Klangfarben. Derartige Farbmischungen habe ich lediglich bei Trillern oder anderen, von Bach teilweise auch ausgeschriebenen Verzierungen eingesetzt, weil ich diese als einen Ort betrachte, an dem der Komponist dem Interpreten und also auch dem Bearbeiter sehr viel – vielleicht die größte – Freiheit gewährt.