Alliages

(2004)

 

  • für Saxofon-Quartett
  • Dauer ca. 18 Minuten
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    Alliage Quartett
    mp3 (Anfang)
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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Alliages

Seit jeher hat mich der Moment fasziniert, in dem in einer Fuge die zweite Stimme mit dem Thema einsetzt und die erste mit dem Kontrapunkt beginnt. Dies ist der Ort, an dem sich nahezu alles für den Verlauf des Musikstücks entscheidet und an dem überhaupt erst klar wird, dass es sich um eine Fuge handelt. Es ist für mich ein edler und erhabener Moment architektonischer und irgendwie archaischer Klarheit. Dies in meiner Musik heraufzubeschwören (oder besser: nachzustellen) schien (und scheint mir eigentlich noch immer) unmöglich, schwingt doch darin immer auch ein für mich unerträglicher Anteil an süßlicher Wehmut mit.

Dennoch gibt es genau diesen Moment in „Alliages“. Zunächst allerdings bestimmen verschiedene Klang-„Legierungen“ das Bild, die ruhig fließenden, dann fast stehenden und später ziemlich heftigen Charakter haben. Musikalische Entwicklungen darin werden durch kleine Veränderungen der Mischungsverhältnisse angestoßen und führen, einmal in Gang gesetzt und gewissermaßen losgelassen, hin zu Situationen, die sich in ganz unterschiedlichen Entfernungen vom Ausgangspunkt befinden.

Der zweite Teil beginnt mit einem fast zweiminütigen Solo des Sopransaxofons, an dessen Ende es zu oben beschriebenem Moment kommt, als sich das Solo nämlich als extrem überdimensioniertes Fugenthema herausstellt. Kurz zuvor jedoch setzt das Baritonsaxofon mit einem verzerrten, eigentümlich kreischenden Kommentar ein, der bis zum Ende dieses Abschnitts einfach nicht mehr aufhört und dem Ganzen eine Art untergründige oder abgründige Komik verleiht. Alles mündet in die „heftige Legierung“ aus dem ersten Teil, aber anders als dort kippen die Mischungsverhältnisse jetzt abrupt in andere um.

Der Schlussteil besteht aus rasenden Skalenbewegungen und Anspielungen auf vorherige Situationen des Stück (in der Reihenfolge ihres Auftretens), so dass alles bisher Dagewesene in komprimierter Form noch einmal präsent wird.