Linienspiel

Quartett über das Lächeln (2009)

 

  • für Trompete, Violoncello, Schlagzeug und Klavier
  • Dauer ca. 8:30
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    Ensemble Modern, Jonathan Stockhammer
    mp3
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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Die musikalischen Strukturen in meinen Stücken habe ich eigentlich fast immer aus Klängen oder Klanggebilden entwickelt, also sozusagen aus einer vertikalen Blickrichtung heraus. Melodische Verläufe im weitesten Sinn haben mich einfach nicht interessiert. Seit einiger Zeit hat sich das verändert, und gerade die Linie ist jetzt ein wichtiger Ausgangspunkt meiner kompositorischen Überlegungen. Vielleicht war das Problem – wenn man es so nennen will – nicht die Melodik an sich, sondern eher der Umgang mit ihrem kontrapunktischen Potential, für das ich in meinen Stücken keine mir zeitgemäß erscheinende Verwendung fand.

linienspiel

Linienspiel beginnt mit einem Solo der Mizhar (Rahmentrommel), das wie die Exposition eines Themas betrachtet werden kann. Es folgen eine Reihe von seltsamen und theoretischen (weil hörend kaum nachvollziehbaren) Kanons zwischen Schlagzeug und den anderen Instrumenten, bis sich in einem Mittelteil alles auf ein schlichtes Dreitonmotiv konzentriert. Der Schlussteil, der von einem Solo der Trompete eingeleitet und von einem Violoncello-Solo beendet wird, nähert sich wieder etwas dem Kanonteil an. In alldem ist etwas von der menschlichen Grundhaltung enthalten, ganz verschiedenen Situationen mit einem Lächeln zu begegnen. So gibt es in dem Stück immer wieder Momente, in denen die Musik innehält und für einige Zeit dem vorherigen Geschehen enthoben erscheint. Dieses Stillstehen ist vergleichbar einem Lächeln, das nicht nur Antwort oder Kommentar, sondern auch Umkehren, Außer-Kraft-setzen oder Lösung einer Situation sein kann.