Drei Lieder

nach Gedichten von Heinrich Heine (1997)

 

  • für Singstimme und Klavier (Ausgaben für hohe und mittlere Stimme)
  • Dauer ca. 11:20
  • Uraufführung am 16. Juni 1997 in Würzburg durch Sven Fürst und Claudia Hübl
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    Judith Beifuß, Mezzosopran
    Holger Berndsen, Klavier
    I.: mp3
    II.: mp3
    III.: mp3
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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DreiLiederDass Komponisten auch heute noch durch das Thema Liebe zum Schreiben von Liedern stimuliert werden können, sei an zwei weiteren Einzelbeispielen belegt. Um die Darstellung einer enttäuschten Liebe geht es JOACHIM F.W. SCHNEIDER (*1970). Mit untrüglichem Gespür für die ironische Gebrochenheit der Textvorlagen vertonte er drei Gedichte von Heinrich Heine in Drei Lieder (1997), indem er die Gesangsstimme den Text auf scheinbar konventionelle und unspektakuläre Weise fast durchgängig syllabisch und im natürlichen Sprachfluss deklamieren lässt. Raffiniert eingesetzte Nuancen der Dynamik und Intervallik überhöhen aber diesen Textvortrag und brechen ihn gewissermaßen für eine Klavierbegleitung auf, deren unpathetische Distanziertheit zum Gesang die ganze Hintergründigkeit Heines deutlich werden lässt.

(aus: RECLAMS LIEDFÜHRER)

 

Heinrich Heine, Die Heimkehr

XXII

"Die Jungfrau schläft in der Kammer,
Der Mond schaut zitternd herein;
Da draußen singt es und klingt es,
Wie Walzermelodein.

Ich will mal schaun aus dem Fenster,
Wer drunten stört meine Ruh.
Da steht ein Totengerippe,
Und fiedelt und singt dazu:

Hast einst den Tanz mir versprochen,
Und hast gebrochen dein Wort,
Und heut ist Ball auf dem Kirchhof,
Komm mit, wir tanzen dort.

Die Jungfrau ergreift es gewaltig,
Es lockt sie hervor aus dem Haus;
Sie folgt dem Gerippe, das singend
Und fiedelnd schreitet voraus.

Es fiedelt und tänzelt und hüpfet,
Und klappert mit seinem Gebein,
Und nickt und nickt mit dem Schädel
Unheimlich im Mondenschein."

II

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

 

Lyrisches Intermezzo

L

Sie saßen und tranken am Teetisch
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
Die Damen von zartem Gefühl.

Die Liebe muss sein platonisch,
Der dürre Geheimrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch,
Und dennoch seufzet sie: Ach!

Der Domherr öffnet den Mund weit:
Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Das Fräulein lispelt: Wieso?

Die Gräfin spricht wehmütig:
Die Liebe ist eine Passion!
Und präsentieret gütig
Die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
Mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
Von deiner Liebe erzählt.