Marschlied, Aria und Ostinato

(2008)

 

  • für Violine, Saxofon und Klavier
  • Dauer ca. 11 Minuten
  • Auftragswerk des Trio Comet
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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marschlied

In Marschlied, Aria und Ostinato trifft man auf musikalische Gestalten wie Nachschlag, Basslinie, Melodie, Begleitung usw., gute alte Bekannte sozusagen, die seit einiger Zeit wegen ihrer Universalität – nachschlagende Begleitfiguren beispielsweise findet man in klassischer sowie populärer Musik jeglicher Stilrichtung – eine unterschwellig schwelende Anziehung auf mich ausüben. Gleichzeitig verursacht die Vorstellung, dass die eigene Musik mit derart konventionellen Vokabeln beschreibbar ist, mir einiges Unbehagen. Ich fühle mich einfach wohler in der Nähe von Komplexität, Ambivalenz, Unbestimmtheit, Rätselhaftigkeit oder Mehrdeutigkeit.

Die Aria, die zuerst entstand, ist eine Melodie mit Klavierbegleitung. Sie beginnt äußerst leise und steigert sich bis zu einem Höhepunkt, nach dem sich die Entwicklung umkehrt und sich der Satz wieder lichtet bis zum völligen Verlöschen. Ohne Zäsur erstreckt sich die Melodie, die von Violine und Saxofon in einer Art Unisono dargestellt wird, über den ganzen Satz. Ihre Intervalle strahlen in gewisser Weise auf den Klaviersatz aus, in dem sich darüber hinaus eine nachschlagende Akkordrückung auf- und wieder abbaut.

In dem Roman Whisky ist auch in Ordnung von Joshua Sobol gibt es die Formulierung „wie ein eher jazziges Marschlied“. Mir gefällt der Gedanke, sich die drei musikalischen „Geschmacksrichtungen“ Jazz, Marsch und Lied zu einer Einheit verschmolzen vorzustellen. Eigentlich war das im ersten Satz gar nicht mein Vorhaben, aber während ich daran schrieb, schien mir die Formulierung immer passender für die entstehende Musik und ich nannte den Satz Marschlied mit der Tempoanweisung wie ein eher jazziges Marschlied.

Der letzte Satz Ostinato trägt seine Bezeichnung genau genommen zu Unrecht, denn in den ostinat anmutenden, aufsteigenden, hartnäckigen Linien des Klaviers, die aus jeweils 13 Tönen bestehen (und von denen es 103 gibt), wiederholen sich lediglich die ersten drei Töne. Ab dem vierten Ton unterscheidet sich jede Reihe von der anderen, d.h. in Wirklichkeit gibt es überhaupt gar keine einzige Wiederholung. Neben längeren Trillern und Tremoli spielen Violine und Saxofon dazu schnelle und schnellste Figuren, die auf der Aufteilung der zwölf Töne in zwei Ganztonleitern und den daraus resultierenden Möglichkeiten von Intervallkonstellationen beruhen. Von einem Allintervallakkord wird der Satz eingeleitet und mehrmals unterbrochen. Die Satzüberschrift lautet „mit sanfter Beharrlichkeit“.