Von der Einsamkeit dürrer Lieder

nach einem Gedicht von Tahereh Saffarzadeh in der Übersetzung von Annemarie Schimmel
(2004)

 

  • für Sopran, Violine und Gitarre
  • Dauer ca. 8 Minuten
  • Uraufführung am 23. März 2004 durch Eva Resch (Sopran), Susanne Zapf (Violine) und Hubert Steiner (Gitarre)
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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VonderEinsamkeit

Tahereh Saffarzadeh

Ich bin ein einzelner Baum
in dieser Wüste, der weiten,
in dieser Wüste tödlicher Langeweile.
Ich hab' keine Gefährten
Ich hab' keine Freunde mit gleicher Sprache
Die lieblichen Sänge der Bäche
          die holden Stimmen der Quellen
                              sterben in weiter Entfernung
und mein Ohr
      ist erfüllt von der Einsamkeit dürrer Lieder.
In dieser Wüste habe ich furchterregende Freunde:
      Den Hagel der Schmerzen
                     die Wolken der Angst
                     die wahnsinnigen Platzregen der Entbehrung.
In mir röhrt das Heulen
                     der Einsamkeitswölfe.
In diesem Dunkel der Nächte
erhellt sich mein Herz nicht durch den Gedanken
           – fatamorganagleich –
an Morgen.
Mein Fuß steckt nicht im Lehm.
Ich bleibe nicht lange hier –
Das Heer der Wolken ist nah:
In diesem Moment – oder bald –
kommt der Donner; der Blitz der Sehnsucht
      nach einem Gefährten,
      um meine Kraft zu verbrennen
und dieses mein stummes Dasein
      mein ewiges Schweigen
zu Asche zu machen.