Blechlawinen lähmen Jugend

Drei schwache Stücke, das verkraftet selbst der stärkste Abend nicht. Auch nicht bei "Young Euro Classic", dem Jungbrunnen dieses hundsheißen Sommers. Das RIAS Jugendorchester, traditionsreicher Nachwuchsförderer mit Heimvorteil, hatte mit Joachim F.W. Schneiders Auftragswerk Sylphidentänze gleich zu Anfang ein Werk vor sich, das sich müßig durch Blechlawinen, Holzbruch und Streicherpfützen wälzt. Im mittleren Teil steigen Klangdämpfe auf, wehen zarte Bläser-Winde und flittern Glissandi. Aus dem notorischen Geschwind-Rhythmus, der das Stück prägt, kommt es nur zögernd heraus. Der Schlagschatten des Orffschen Schulwerks liegt allzu schwärzlich auf ihm.

Immerhin: Gegen Mikis Theodorakis' Klavierkonzert (1957/58) konnte das – trotz des prominenten Pianisten Cyprien Katsaris – noch immer leicht ankommen. Theodorakis' röhrendes Streicherpathos, in das vom Klavier aus Messiaen'sche Töne klingeln, ist eine halbe Stunde auf der Suche nach einer Melodie. Und findet am Schluss aller Klangwucherungen doch nur Ersatz in einer hymnischen Stretta. Das Stück wird wohl zu Recht vergessen bleiben. Daran vermochte auch Katsaris' technisches und allzu kaltes Spiel nichts zu ändern.

Blieb die Last des Abends auf Zemlinskys Sinfonischer Dichtung DIE SEEJUNGFRAU (1902/03). Doch damit ist dieses eher lasche, zu lange Stück auch überfordert. Die Klangoberflächen des RIAS Jugendorchesters unter der Leitung von Hermann Bäumer schlossen sich über den Wasserstrudeln und Sturmwellen dieser „Rusalka“-Version. Man sonnte sich schließlich im zart changierenden Klangzauber des Endes. Das Programm des Abends war überaus stimmig, das Orchester (besonders die Streicher) in guter Form. Nur dass sich die Stücke durch Langatmigkeit und Ödnis gegenseitig herunterzogen. Jugend will ermutigt sein. Mit diesen Stücken hatten es alle Beteiligten schwer.

(BERLINER MORGENPOST, 17. August 2003)

 

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