Komplexe Raffinesse

Viel Beifall für Uraufführung

Das ist selten: Zwei Uraufführungen am „Ansbachtag” mit zwei äußerst unterschiedlichen Ansätzen zum Thema Bach. Vormittags in der Gumbertuskirche die liebenswerte, handwerklich gut nachvollziehbare Ansbachkantate von Rudolf Lutz. Am Abend das nunmehr Zweite Ansbachische Konzert von Joachim F.W. Schneider in der Orangerie mit dem Münchener Kammerorchester. Welcher Unterschied im Umgang mit Bach, und das, obwohl – mit dem „Dritten Brandenburgischen Konzert” – teils gleiches Material des kompositorischen Übervaters verwendet wurde.

(...) Bei Schneider geht es um eine intellektuelle, persönliche Auseinandersetzung mit Bach.

Die Motorik des Bachschen Satzes lässt sich durchaus erkennen. Gleichzeitig bedient Schneider sich komplexer Satzkonstruktionen wie etwas Kanon, Themenumkehrung und Motivsplitterung. Die sind – ähnlich wie etwas in Bachs „Kunst der Fuge” – nicht auf Anhieb erkennbar, erhörbar. Vieles steht in starker Abstraktion nebeneinander. Schneiders „Klangräume” changieren stark. In der rastlosen Motorik des Schlussteils arbeitet sich noch am ehesten Bachs rhythmisches Vorbild ab, wenngleich dieses in Schneiders Komposition klanglich prekärer dahinspukt – als entspräche es dem gehetzten Getriebe unseres Weltenlaufs. Der Beginn des Werks ist leise, heimlich gehalten, baut sich spannungssteigernd auf, durchwandert und wechselt die Stimmlagen zwischen hohen und tiefen Streichern. Das hat klanglich interessante Wechsel zur Folge, wirkt klangraffiniert, oft – bedingt durch die zusätzlichen komplizierten Konstruktionen – reizüberflutend. Das Publikum quittierte Schneiders „Konzert für Streichorchester” mit anhaltendem Beifall.

(…)

Sabine Kreimendahl
(FRÄNKISCHE LANDESZEITUNG, 5. August 2011)

 

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