Klavierstück III »Sonate«

(1997)

 

  • Dauer ca. 30 Minuten
  • Uraufführung am 6. Dezember 1997 in Würzburg durch Claudia Hübl
  • Hörprobe
    Claudia Hübl, Klavier
    mp3
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
    Bestellen
  • PDF (erste Seite)

 

Klavierstueck3Das Klavierstück III »Sonate« lässt sich mit geringfügigen Abweichungen auf den traditionellen Formtypus schnell – langsam – schnell festlegen. Das ruhige Mittelstück, das von zwei motorischeren Teilen umrahmt wird, steigert sich atmosphärisch bis zu kühler, sterniger Helligkeit. In ihm liegt auch mit dem Takt 243 die Symmetrieachse des Stückes. Dies ist ein Moment äußerster musikalischer Gespanntheit, der dramatische Mittelpunkt des Werkes. Die beiden umliegenden Teile stellen mit ihren Skalenpassagen und blitzschnellen Sprüngen hochvirtuose Anforderungen an den Ausführenden.

Der Beginn der Sonate ist gekennzeichnet von einem unerbittlichen Rhythmus, dessen zwingende elastische Kraft den ersten Teil der Sonate bestimmt. Darüber liegt eine sich erst nach und nach bildende melodische Kontinuität, die überwiegend in Akkorden verläuft (zunächst noch punkthaft und durch Pausen unterbrochen), von burlesker Wirkung. Angesichts der Fülle der musikalischen Störfaktoren in Form vieler feiner Details, die, spontanen Einfällen gleich, die Konstruktion erschüttern, liegt eine Hauptaufgabe des Interpreten darin, die Komplexität des Werkes im Einklang mit den ihm innewohnenden klaren Strukturen zu zeigen.

Das rhythmische Anfangsmotiv ist auch im dritten Teil fest etabliert, wird übersteigert und in erweiterter Form in unisono Passagen entwickelt, wechselt sich mit gegenüber dem ersten Teil verschärften Skalenpassagen ab, strebt unaufhaltsam einem Abgrund zu (in Takt 499). Nach diesem krisenhaften Punkt schließt sich ein tänzerischer Teil an, der von radikalem Einsatz dynamischer Mittel bestimmt ist und in ein Largo funèbre mündet: ein kurzes düsteres Abtauchen. Der tänzerische Charakter kehrt zurück, Allegretto giocoso (scherzando), aber nicht mehr so einheitlich wie vorher, verebbt wiederum und endet in einem Ruhepunkt in Takt 594.

Der letzte Anlauf wird genommen, nun ohne Aufhalten, und die aufgestaute Kraft entlädt sich bis zum Schluss in einem rasenden Presto.

Claudia Hübl