Pixel

pixel

(2017)

 

  • für Gitarrenquartett
  • Dauer ca. 10:00
  • Uraufführung am 18. August 2017 in Würzburg durch Kirsi Tilk, Teuvo Taimioja, Bettina Schmidt und Ana R. Lama Benitez
  • erschienen bei:
    Theophilius Productions
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„Pixel“ beginnt mit einem einzelnen, akzentuierten Ton in sehr starkem, schnellem Vibrato, dessen schwingendes Hin und Her in der Folge stark verlangsamt und – wenn man so will – musikalisch gerastert („gepixelt“) wird. Dies geschieht sowohl in der zeitlichen Achse (Sechzehntel) als auch in der Tonhöhenveränderung (Sechstelton). Demnach beträgt die Dauer eines Pixels ein Sechzehntel und der Abstand zwischen den Pixeln jeweils einen Sechstelton. Durch die Pixelung wird der eigentlich langsam oszillierende Klang in doppeltem Sinne ungenau abgebildet: Er ist rhythmisiert (durch die unablässige Sechzehntelbewegung), und er ist im Tonhöhenverlauf verschwommen (durch die Darstellung der einzelnen Sechzehntelmomente in Schichtungen von bis zu 5 Pixeln). Ich betrachte allerdings die Reduktion der Datenmenge, wie sie bei jeder Rasterung entsteht – denn das ist ja gerade der Sinn einer solchen –, in diesem Fall nicht als Verlust. Die Pixel sind für mich vielmehr wie Saatgut, das die Möglichkeit zum Keimen und Wachsen in sich trägt.

Ich habe festgestellt, dass man sich im mikrotonalen Kontext hörend viel besser zurechtfindet, wenn man sich an Skalen orientieren kann. Scheinbar verleihen diese dem Ohr brauchbare Richtlinien (im wahrsten Sinne des Wortes), die uns die ungewöhnlichen mikrotonalen Zusammenklänge fast schon als vertraut empfinden lassen. Aus diesem Grund besteht das gesamte Stück aus einem Geflecht von Skalen, das wie ein Generalbass die Stützstruktur der Komposition bildet. Wenn die Pixel-Saat dann aufgeht, legt sich die eigentliche Musik wie eine Außenhaut, wie eine Gewebehülle um das Skalengerüst und es wachsen Bass- und Melodietöne, Akkorde, Farben, Rhythmus und Groove. Und obwohl die Skalen mitunter bewusst gar nicht wahrgenommen werden können, so sind sie doch fühlbare Leitlinien und ein sehr starkes ordnungsstiftendes Prinzip, das eine Art stabile Mikrotonalität hervorbringt. So ist die Musik greifbar, fasslich, sozusagen handfest, und gleichzeitig in jedem Moment mikrotonal.

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